Der Golf Gourmet Lifestyle

Treffmomente von Klaus O. Braun
16 November, 2008 16:35 Uhr

Der neue Castle Course in St.Andrews: Ein kleines Pebble Beach

Von Klaus O. Braun

Jetzt ist er richtig eingewachsen: Wir waren zur Eröffnung im Juni und im November 2008 nocheinmal in der Wiege des Golfsports, um den neuen faszinierenden, aber auch schwer zu spielenden Castle Course, den siebten Parcours der St.Andrews Links Trust Company unter die Lupe zu nehmen.

Die Herren über einige der begehrtesten Startzeiten der Welt sind bescheiden, aber mächtig: Neben dem berühmeten Old Course, hat der Trust keine geringeren Links wie New Course, Jubilee, Eden und Srathyrum Course und seit kurzem eben den Castle Course anzubieten, je nach Anspruch des Golfgastes.

Es gibt sogenannte "Kenner", die der Castle Course Anlage, kaum war sie eröffnet,  schon gleich wieder ein "Unbespielbarkeits-Urteil" aufgedrückt haben. Will sich da jemand wichtig machen? Wer das Juwel an der felsigen Bucht von St. Andrews gespielt, die kantigen Fairways bewältigt hat und die "stunning views" erleben durfte, der kommt zu dem Schluss:  "Schwierig, faszinierend, demütigend und motivierend. Die sauschnellen Greens können jedes Stimpmeter überraschen. Eine wahre Freude, den Platz  nocheinmal und nocheinmal zu spielen. Gleich nebenan liegt der Kittocks Course mit seinem Zwillingsbruder, dem Sam Torrance Platz, direkt neben dem Braekfast-Buffet des Fairmont Hotels.
mehr über die Plätze um St.Andrews...


Die wahren Stories über das Golfmekka

 So ganz genau weiss niemand, wann und warum der heutige Royal & Ancient Golfclub St. Andrews (R&A) zur übermächtigen Autorität in Sachen Golf wurde. Verbürgt ist, dass schon seit mehr als 300 Jahren Golf gespielt wurde, bevor 22 «Noble- und Gentlemen» am 14. Mai 1754 die Society of St. Andrews Golfers gründeten.

Allerdings gab es bereits zwei nicht weniger ehrenwerte Clubs, die «Honourable Company of Edinburgh Golfers», die 1744 ein erstes Regelwerk aufgestellt hatte, und die «Royal Burgess Gol.ng Society of Edinburgh».

Die Society von St. Andrews hatte weder einen eigenen Golfplatz noch ein Clubhaus. Überhaupt war es kein «Golfclub» wie wir ihn heute verstehen. Vielmehr schrieb die erste Satzung des R&A vor, dass «sich die Mitglieder ein Mal innerhalb von 14 Tagen um 11 Uhr zu einer Runde über die Links treffen. Im Anschluss daran geht man in die Taverne 'Baillie Glass' zum Dinner, wofür ein Schilling zu entrichten ist. Sollte der Spielführer nicht zugegen sein, so ist er automatisch zu einem Pint of Claret verdonnert, das seine Clubkameraden auf sein Wohl leeren».

Seit 250 Jahren gibt es die Regelpäpste

Die Reputation der kleinen grauen Stadt (mit der ältesten Universität Schottlands) als «Home of Golf» und das stabile Wachstum des Clubs führten zu einer allgemeinen Akzeptanz in Britannien, dass der R&A auch die Autorität in allen Fragen sein solle, die den «Spirit of the Game» betreffen. Am 28. September 1897 bildete der R&A im Auftrag der «alten Clubs» Britanniens ein Komitee, dessen Aufgabe darin bestand, eine für alle gültige Regelsammlung zu erstellen. Diese Autorität besteht bis heute für mehr als 100 Länder, von Australien bis Zimbabwe, mit Ausnahme der USA, Kanadas und Mexikos. Dort ist die United States Golf Association (USGA) federführend.

In den Anfängen des Golf waren die «ehrenwerten Herren» besonders trinkfreudige Gemüter. Der nachhaltige Ein.uss auf so viele Bereiche des Golfsports rührt also wohl am ehesten daher, dass zum einen schon bei Clubgründung St. Andrews als die «Alma Mater» des Golf galt, zum anderen 80 Jahre danach (1834) König William IV. quasi den Ritterschlag
ausführte, als er dem Club die Attribute «Royal & Ancient» verlieh. Weitere 20 Jahre später entstand das Clubhaus, das auch heute noch - erheblich erweitert -hinter dem ersten Abschlag so imposant aufragt.

Magischer Slogan "Spirit of the Game"

Alles richtet sich nach dem Ethos des «Spirit of the Game» Über die Regeln hinaus haben sich die Aufgabenfelder des R&A erheblich erweitert. Mit den gewaltigen Einnahmen aus der alljährlichen Veranstaltung der British Open werden Verbände in der Nachwuchsarbeit unterstützt, wird Forschung im Bereich ökologischen Platzbaus gefördert und werden Neuentwicklungen auf dem Schläger- und Ballmarkt untersucht, ob sie noch mit dem «Spirit of the  Game» zu vereinbaren sind. So haben R&A und USGA in einer ihrer letzten jährlichen Konferenzen festgelegt, dass die Grösse von Driverköpfen 470 ccm und die Gesamtlänge von Schlägern (ausser Putter) 1.219,2 mm nicht überschreiten darf. Der R&A hat immer noch keinen eigenen Golfplatz, denn der Old Course gehört nach wie vor der Gemeinde St. Andrews und an Sonntagen wird überhaupt kein Golf gespielt. Da gehen die St. Andrewser dort spazieren, führen ihre Hunde aus oder stehen einfach nur um den ersten Abschlag oder das 18. Grün herum und reden miteinander. Ausnahmen von dieser jahrhundertealten Regelung werden nur für Turniere wie die British Open gemacht. (hpk/kob)

2 Kommentare zu "Der neue Castle Course in St.Andrews: Ein kleines Pebble Beach"

  1. Ich habe schon Menschen weinen sehen, als sie zum ersten Mal im Old Course Hotel aus dem Fenster des zweiten Stocks auf das Road Hole schauten. "Ich habe mein Leben lang von diesem Augenblick geträumt", sagte mein Vater und wischte sich die Tränen vom Gesicht.

    Lian Wai, Shanghai, China (in Deutschland lebend)

    Lian Wei - 16 November, 2008 18:47 Uhr
  2. Ist ein ganz besonderer Ort... kann ich nur empfehlen dort mal zu spielen. Ein bisschen magisch ist es wirklich!

    Golf - 29 Juli, 2010 11:44 Uhr

Kommentar schreiben


Notwendig


Notwendig (wird nicht angezeigt)



Über dieses Blog

Klaus O. Braun ist als Chefredakteur und Herausgeber verschiedener Print und Online-Publikationen in Deutschland und der Schweiz tätig. Er ist Autor von Reisebüchern sowie von Fachpublikationen, Golfbeilagen und Tageszeitungen. Braun berät darüber hinaus Unternehmen bei deren Engagements im Golfsport. Seine seit 12 Jahren bestehende Online-Plattform www.golfparadise.com wird tagesaktuell von namhaften Golf-Fachjournalisten betrieben. Der Golf-Gourmet-Blog beweihräuchert nur, was subjektiv gut ist. Kein hochjubeln - „alles war super und ein voller Erfolg“. Wir wollen ja, das Sie wiederkommen. In unsere Blogosphäre… Kontakt: info@golf-gourmet.net

RSS Der Golf Gourmet Lifestyle
AddThis Feed Button