Pinien, Pasta und Pars
Sonnenoase in der Nebensaison : Golf und Kultur in der Toskana auf den Spuren der Etrusker. Vom Luxus, nur ein paar Autostunden entfernt auch im Winter entspannt und ohne dicke Kleidung über grüne Fairways ziehen zu können.
Einen Rasen aus Korea in die Toskana zu verpflanzen, das klingt wie Eulen nach Athen tragen. Für den Golfplatz in Punta Ala an der tyrrhenischen Küste nahe der Provinzstadt Grosseto hat man sich diesen Luxus erlaubt. Jetzt ist der 18-Löcher-Course zwischen schattigen Pinienwäldern und mediterranem Buschland auch im heißen toskanischen Sommer ein immer tiefgrüner, weicher Teppich.Eine Sonnenoase ist Punta Ala allemal, nicht umsonst trifft sich dort mehrmals im Jahr die feine Gesellschaft aus Florenz, Mailand, Lugano und Ascona um in dieser sehr ruhigen Naturlandschaft mehr oder weniger unter sich zu sein.
Auf den Spuren Michelangelos und der Medici, des heiligen Franz von Assisi und freilich auch in den Fußstapfen der Etrusker die schon vor unserer Zeitrechnung sieben Jahrhunderte lang die heutige Toskana beherrscht haben, gelangt man über Mailand und Parma, über Livorno und Follonica nach Punta Ala. Die einheimischen Weinbauern bieten mit notorischer Straßenreklame schöne Genüsse an, edle Tropfen aus Kellern, die wahre Schatzkammern sind. Maremma heißt die Gegend weiter südlich, deren Böden mit Petrus offensichtlich einen Geheimpakt geschlossen haben, allein zur Produktion höchster Öchsle-Grade.
„La Mamma“ regiert in den versteckten Küchen, die jedem Sterne-Restaurant Konkurrenz machen würden
Selten hat ein Land, eine Region so eindringlich seine kulinarischen Feinheiten durch die Landschaft ausgedrückt wie die Toskana. Kurz gesagt, man denkt hier viel zu oft an Essen. In einer regelrechten Schlaraffenland-Pagode des Hotels Gallia Palace direkt am Strand in Punta Ala kann man dann auch aus dem Vollen schöpfen: Fische frisch aus dem Meer landen direkt auf dem Grill, Meeresfrüchte-Salate, so bunt wie von einem Maler mit einer Palette gezaubert, und italienische traditionelle Gerichte: „Italian food with a difference“, wie mein englischer Golfpartner anmerkt. Er wohnt im Hotel Piccola Halleluia, wo besonders die Pasta so gut schmeckt, daß sogenannte Golfexperten jeden Abend versuchen Ihrer Umwelt einzureden, ein stattlicher Bauch hätte keinerlei negative Auswirkungen auf einen guten Golfschwung.
Der Golfplatz von Punta Ala ist zauberhaft am Meer positioniert und voller Tücken in der Fairway-Führung
Der 6190-Meter-Platz ist ebenso malerisch wie tückenhaft und ganzjährig offen. Traumhafte Panoramen: Die Insel Elba, wo Napoleon, der große Korse 1814 seinen Wohnsitz hatte, liegt in Ausflugsentfernung vor der Küste. Die Villen rings um den Golfplatz lassen indessen wieder schöne Träume aufkommen. So ein Haus am Golfplatz mit Blick aufs Meer, so direkt am Hang beim dreizehnten Fairway ? Wär‘ das nicht Golfers Paradies ? Die Preise in und um den Golfclub sind stattlich, dafür bekommt man aber alles auch nur vom Feinsten .
Wohn-Palazzos werden in Punta Ala so gebaut, daß sie regelrecht im mediterranen Buschland oder in den Pinienhainen verschwinden. Die Gegend, sichtbar besonders im nahen Fischerort Castiglione della Pescaia, verdankt ihre Naturbelassenheit dem Verantwortungsbewußtsein der Toskaner, die ihr Land vor Spekulanten und Geschmacklosigkeiten weitgehend verschont haben. Wie eine riesige grüne Lunge atmet die Pineta Sauerstoff aus und demonstriert damit die Bedeutung ökologischer Schutzmaßnahmen. Man kann die Pineta zu Fuß durchqueren oder zu Pferd, man kann tief ins Unterholz dringen oder zwischen den Dünensträuchern auf eine artenreiche Fauna und Flora treffen.
Neben Vetulonia, einem etruskischen Zentrum in der Nähe von Castiglione della Pescaia, sind die wichtigsten Kulturstätten in Reichweite: Tarquinia, Volterra, Vulci, Roselle, Santa Viora, Pitigliano und Sovanna sind empfehlenswert für Ausflüge.Belohnt wird man auch mit der Betreuung als Gast, zum Beispiel im Clubhaus von Punta Ala mit seiner durchweg sympathischen Mannschaft.
Luxus-Yachten wie Papierschiffchen
Luxus-Yachten tummeln sich wie Papierschiffe im Hafen und laufen aus zu romantischen Fahrten nach Korsika oder entlang der Riviera. Die Boote und Yachten können gemietet werden mit oder ohne Besatzung. Rund 1200 Boote haben im Yachthafen Platz, der einer der bestausgerüsteten am Mittelmeer ist. Nicht nur Regatten, sondern auch Reit- und Poloturniere werden nahe dem Hafen abgehalten, viele freilich auch im Winter, weil das Klima so mild ist. Alles in allem also eine Oase für Golfer und Nicht-nur-Golfer, denn das Rahmenangebot bietet einen hohen Standard, auch wenn man einmal nicht die Schläger schwingen und einfach nur faulenzen will. Der Vollständigkeit halber sei zum Schluß noch erwähnt, daß Punta Ala sicher nicht ein bevorzugter Platz für die junge Generation ist, und auch nicht gerade sensationelle Chancen für Singles bietet. Dafür werden Paare, Familien und kleine Gruppen, die für sich ganz privat unter sich bleiben wollen, ein kleines Paradies finden.
Klaus O. Braun info@golf-gourmet.net
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