Sommer in Cornwall

Buntes Blütenmeer
Ursprünglich sollte dies eine romantische Reisegeschichte durch Cornwall auf den Spuren der beliebten englischen Autorin Rosamunde Pilcher werden. So richtig was fürs Gemüt und für Leser mit Hang zu dramatischen Geschichten der „Von und Zu-Gesellschaft. Denn an allen Ecken und Enden hier werden Sie dazu fündig: In pittoresken Örtchen, wie St. Ives, wo die Autorin ihre Kindheit verbrachte, und das heute noch hochkarätige Künstler anzieht oder in Padstow mit seinem Herrensitz Schloß Prideaux Place, das zu den elegantesten Herrenhäusern Englands zählt und noch immer als Wohnsitz von Lord und Lady Prideaux fungiert.
Nicht, dass wir von soviel Prunk und Glanz nicht begeistert gewesen wären - unsere Liebe haben wir hier jedoch für die Cornishen Links-Golfplätze entdeckt, die an Authentizität den Vergleich mit ihren schottischen Konkurrenten nicht zu scheuen brauchen.

Malerische Küstenlandschaft
Vom Wind zerzaust und teilweise schon über 100 Jahre alt begeistern sie nicht nur den Natur liebenden Golfer, sie sind auch eine Herausforderung für jeden guten Spieler. Und – sie bieten bezaubernde Aussichten auf Meeresbuchten, einsame Strände und üppiges Weideland rundherum.
Gerade in St. Ives treffen wir auf den ältesten Platz des Herzogtums, den Golfclub Westcornwall mit seiner alten keltischen Kirche mittendrin.
Die 18 Löcher in Gras bewachsenem Dünenland bieten hier einige Überraschungen, zwar keine Wasserhindernisse aber jede Menge Blindlöcher, ondulierte Fairways, auf denen die Bälle „weißichwohin“ springen, Wege und Gräben, die aus dem Nichts auftauchen und Grüns, die von tiefen Topfbunkern bewacht sind. Ein Vor-Caddy wäre da wohl wie ein Lotto-Sechser.
Wer dazu noch in dem Efeu bewachsenen mittelalterlichen Schlosshotel Tregenna Castle Estate absteigt, hat doppeltes Glück: Er Logiert auf einem Originalschauplatz von Pilcherfilmen und hat 14 bestens präparierte Golflöcher vor der Haustür.
Wildromantisches Links-Golf gibt es auch im nördlichen Newquay, einem quirligen Surfer-Städtchen. Da, wo sich normalerweise ein teures Urlaubsresort ausbreiten könnte, räkeln sich 18 Löcher mit imposantem Meerblick in der Sonne. Denn das Wetter hier ist – trotz aller Vorurteile - durch den Golfstrom das ganze Jahr über weit besser als sein Ruf. 120 Jahre hat er schon auf dem Buckel, der gute alte Newquay Golf Club
und man sieht es ihm nach, dass er weder Tee-Schilder noch Entfernungsangaben aufweist, dafür aber jede Menge „Pot-Bunker“ und „rolling Dunes“. Will heißen: In den Bunker kommt man nur mittels Treppe und die Fairways sind so onduliert, dass sie jeglichen Vergleich mit einer Dauerwelle stand halten könnten. Sehr schön aber die Abschläge Richtung Meer, das hier, gespickt voll mit Wellensurfern, zeitweise vom Spiel ablenkt. Übrigens gilt es hier auch einmal mit einem weiteren Vorurteil aufzuräumen, was die Küche betrifft. Statt dem üblichen „Fish & Chips“ auf der Karte, finden wir in Padstaw ein wahres Feuerwerk an guten Küchen – allen voran Rick Steins berühmtes Seafood Restaurant. Aber auch den besten „Cream Tea“ – eine Spezialität aus der Gegend mit Scones-Gebäck, „glotted cream“(Schlagrahm) und Erdbeermarmelade. Wer hier im „old fashioned“ Treglose Hotel, einem Familien-Ferienhotel direkt an der Constantin Bay absteigt, hat die wild zerklüftete Küste Cornwalls direkt vor den Füssen und die 18 Löcher des Championship-Courses Trevose Golf & Country Club nur ein Par 5 entfernt.
Dieser Links-Platz verlangt äußerste Konzentration und Ballgenauigkeit zwischen Dünen und Rough und lässt kaum Zeit für triste Gedanken. Diese wehen spätestens an Loch 5, wenn es direkt ans Meer geht, mit der stets frischen Meeresbrise auf und davon und machen Kopf und Seele frei für schöne Gedanken. Und wen interessiert da noch der Score?
Vorbei an Rosen umrankten Häuschen, Gärten, in denen Hortensien in allen Farben scheinbar mühelos wuchern und Strassen, mit Dächern aus Buchen und Eichen, nähern wir uns dem Höhepunkt der Reise. Nicht um vorher nochmals mit einem Vorurteil aufzuräumen: Linksfahrer-Muffeln sei an dieser Stelle gesagt, dass es ob dieser Naturschönheiten richtig Spaß macht, hier Auto zu fahren.
„Varity is the spice of live“ sagt der Engländer und wir meinen, dass es nun an der Zeit ist, das Beste vom Besten hier zu präsentieren – den St. Mellion Golf & Country Club mit 36 Löchern, designt von Jack Nicklaus. Ein Parkland-Kurs, der zu den europäischen Highlights zählt und von dessen Qualität selbst der Erbauer positiv überrascht war. Gerade wird hier kräftig aufgerüstet, denn wenn im nächsten Jahr die British Open hier stattfinden, soll für 130 Mio. Pfund das größte Golfresort Englands fertig gestellt sein. Eines steht heute schon fest: mit der Beschaulichkeit ist es hier dann endgültig vorbei. Rückzug-Möglichkeiten bietet jedoch das „The Well House“, ein schmuckes und intimes Boutiquehotel mit lieblicher Landschaft rundherum und köstlichen Kreationen des Meisterkoches Tom Hunter. Ein Ort der Muse und des Schmökerns – und Rosamunde lässt grüssen!

Golfen in Cornwall
1 Kommentar zu "Sommer in Cornwall"
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